Burschenschaften
Eine Burschenschaft ist eine besondere Form einer Studentenverbindung.
| Inhaltsverzeichnis |
1 Allgemeines
Der Name leitet sich nicht wie viele denken von dem Wort "Bursche" ab (auch wenn die Vollmitglieder der Burschenschaften und der Studentenverbindungen Burschen genannt werden), sondern von dem Wort Burse (lat. bursa). So wurde zu den Entstehungszeiten der ersten Studentenverbindungen das gemeinschaftliche Wohnheim von Hochschullehrern und ihren Schülern genannt. Fälschlicherweise wird in der Öffentlichkeit jedoch oft der Begriff "Burschenschaft" als Überbegriff für alle Studentenverbindungen benutzt.
Burschenschaften sind schlagende Studentenverbindungen. Das heißt, dass sie das akademische Fechten? als einen festen Bestandteil ihres Bundeslebens verstehen und eine bestimmte Anzahl an Mensuren? (lat. mensura, "Abmessung"), den studentischen streng reglementierten Fechtkämpfen zwischen Mitgliedern der Burschenschaft oder auch gegen Mitglieder einer anderen schlagenden Studentenverbindung, "schlagen" müssen.
Des Weiteren sind Burschenschaften farbentragende Studentenverbindungen. Bei offiziellen Veranstaltungen tragen sie Band und Mütze.? Die Farben sind überwiegend Schwarz-Weiß-rot (übernommen vom ersten Deutschen Reich)
2 Entstehungsgeschichte und Ziele
Burschenschaften verstehen sich als Nachfolger der so genannten Urburschenschaft.? Diese wurde bereits im Jahre 1815 in Jena gegründet und unterschied sich von den bis dahin bestehenden Studentenverbindungen in Form von Landsmannschaften? und Corps? in der Zielsetzung. Sie wollte diese studentische Zusammenschlüsse an den Universitäten abschaffen und alle Studenten (zu der Zeit gab es keine Frauen an den Hochschulen) in einer einheitlichen "Burschenschaft" zusammenführen. Dabei wurden die Burschenschaften auch von den Professoren unterstützt. Ebenso verfolgte die Urburschenschaft? das politische Ziel, die Kleinstaaterei zugunsten eines vereinten Deutschlands abzuschaffen.
Die Burschenschafts-Bewegung griff weit über den deutschen Sprachraum hinaus nach Mitteleuropa und zog Gründungen ähnlicher Studentengemeinschaften in Osteuropa, vor allem in Polen, Russland, Ungarn und im Baltikum nach sich. Alle heutigen deutschen Burschenschaftsverbände, ebenso wie auch alle anderen Studentenverbindungen fühlen sich dem Vaterlands-Prinzip verpflichtet.
3 Organisation
Organisiert sind die meisten Burschenschaften im Dachverband Deutsche Burschenschaft. Auch wenn diese als die bekannteste Gattung der Studentenverbindungen fungiert, sind deutsche Burschenschaften nur die viertgrößte Gruppe von Studentenverbindungen und keineswegs ihre wichtigste oder maßgebliche Form. Nur etwa 15 Prozent aller Studentenverbindungen sind Burschenschaften (ca. 150 in Deutschland).
Geprägt sind die Burschenschaften wie alle Studentenverbindungen vor allem durch das Lebensbundprinzip? und wie die meisten Verbindungen auch durch das Männerbundprinzip. Das Lebensbundprinzip? besagt, dass die Mitglieder dem Bund auf Lebenszeit beitreten und einander freundschaftlich verbunden sind.
Das Männerbundsprinzip hat zum Inhalt, dass nur männliche Studenten aufgenommen werden. Oft müssen sie darüber hinaus deutsche Staatsbürger sein. Bei den freien Burschenschaften allerdings werden häufig auch weibliche und ausländische Studierende aufgenommen.
4 Ideologie
Burschenschaften sind in der Regel sehr konservativ und national ausgerichtet. Die Mehrheit der Burschenschaften verherrlicht jedoch entgegen der weit verbreiteten Auffassung nicht den Nationalsozialismus, zumal Burschenschaften demokratisch organisiert sind. Allerdings gibt es auch einige Dutzend Burschenschaften, die personelle Überschneidungen mit der rechtsextremen Szene haben (wie etwa die Hamburger Burschenschaft Germania
(http://www.germania-hamburg.de)).
5 Kritik
Die meisten Burschenschaften pflegen ein Gesellschaftsverständnis, das oft als problematisch angesehen wird. So wird ihnen vorgeworfen, nationalistische Bräuche und Traditionen zu pflegen. Beispielhaft dafür ist das Singen der alten traditionellen studentischen Lieder und bevorzugte Aufnahme von Mitgliedern, die gedient haben. Außerdem haben viele Burschenschaften ein sehr traditionelles Geschlechterbild. Hinzu kommt, dass sie durch ihre fixierung auf Deutsche Mitglieder oft als Ausländerfeindlich gelten. In der linken Szene gelten viele Burschenschaften als nationalistisch und faschistisch, oftmals werden sie sogar mit Nazis verglichen.
Gegen dieses Bild haben gerade die in Hamburg ansässigen Burschenschaften wenig unternommen, eine Erneuerung nach innen und außen ist bisher nicht erkennbar. Deswegen arbeitet die SPD momentan daran, einen Unvereinbarkeitsbeschluss durchzusetzen, was bedeutet, dass ein Burschenschafter kein Mitglied der SPD werden kann. Dies gilt schon für einige ausgewählte Burschenschaften. Der gegenüber allen Burschenschaften gültige Unvereinbarkeitsbeschluss scheiterte bisher allerdings am Vorstand der Partei .
6 Links
Website der Deutschen Burschenschaft
(http://www.deutscheburschenschaft.de)
TraMiZu: Eine Austauschplattform für Verbindungsstudenten mit der Darstellung der meisten Studentenverbindungen.
(http://www.traditionmitzukunft.de)
Verzeichnis vieler Studentenverbindungen bei Yahoo
(http://de.dir.yahoo.com/Ausbildung_und_Beruf/Hochschulen/Organisationen/Studentenverbindungen/)
7 Literatur
Falsch verbunden- Reader zum Verbindungs(un)wesen in Hamburg herausgegeben vom AStA der Uni Hamburg, 2005.
Kategorie:Studentische Organisation?
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